Landsmannschaft Darmstadtia Gießen

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Gießen

Gießen ist mit rund 75.000 Einwohnern die achtgrößte Stadt Hessens. In der Universitätsstadt befinden sich sowohl die Justus-Liebig-Universität Gießen mit rund 24.000 Studierenden, als auch die Technische Hochschule Mittelhessen mit 7.100 Studierenden (von insgesamt 12.000). Des weiteren sind hier eine Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie und die Freie Theologische Hochschule Gießen angesiedelt. Gießen ist das administrative Zentrum Mittelhessens, ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und ein Oberzentrum der Region. Der Regierungsbezirk Gießen sowie der Landkreis Gießen haben hier ihren Verwaltungssitz.

Ein Blick in die Geschichte der Stadt lässt auf eine bis 1157 zurückgehende Historie schauen, die mit der Gründung der Wasserburg „Zu den Giezzen“ beginnt, die den Grundstein für die spätere Stadt legte. Erbauer dieser Burg war Graf Wilhelm von Gleiberg, der die geographischen Vorzüge erkannte und seine Burg in das Mündungsgebiet der Wieseck, in die Lahn, setzte. Nördlich der Wetterau gelegen, bot das Gießener Land einen optimalen Zugang zur Wetterau, der Kornkammer Hessens, sowie zu südlichen Städten wie Frankfurt, Mainz oder Darmstadt. 1248 bekam Gießen dann die Stadtrechte verliehen und einem weiteren Aufblühen stand nichts mehr im Weg.

In dieser Zeit kam die Stadt an die Landgrafschaft Hessen, deren Landgraf das heutige „Alte Schloss“ errichten ließ. Ab etwa 1370 gab es Bürgermeister in Gießen, die den landesherrlichen Burgmannen gleichgestellt waren, sowie einen Rat als Vertretung der Bürgerschaft. 1380 war Graf Wilhelm von Katzenelnbogen Mitbesitzer von Gießen und 1383 wurde die Hälfte von Burg und Stadt Gießen für 2800 Gulden an ihn verpfändet. 1442 erhielt die Stadt Gießen das Marktprivileg, welches zusätzliches Geld in die Kassen der Stadt spülte. Das 1944 zerstörte „Alte Rathaus“ am Marktplatz als Symbol bürgerlicher Macht entstand um 1450, die Stadtkirche wurde bis 1484 errichtet.

Gegen 1535 ließ Landgraf Philipp der Großmütige die Stadt befestigen und das „Neue Schloss“ errichten. Bei der Teilung der Landgrafschaft 1567 kam Gießen zu Hessen-Marburg, 1604 zu Hessen-Darmstadt. 1605 wurde in Gießen das Gymnasium Ludovicianum durch Landgraf Ludwig V. als Lateinschule gegründet.
Am 19. Mai 1607 ermöglichte ein Privileg Kaiser Rudolfs II. die Gründung der Universität als Gegenstück zu der in Marburg. Zwei Jahre später eröffnete der Botanische Garten, einer der ältesten in Deutschland – ebenfalls eine Gründung Ludwigs V. Der 30-jährige Krieg und eine Pestepidemie 1634/35 dezimierten die Stadtbevölkerung stark und führten zur Schließung der Universität, welche erst 1650 wiedereröffnet werden konnte.

1803 wurde Gießen Hauptstadt der neuen Provinz Oberhessen im Großherzogtum Hessen. In den folgenden Jahren wurde die Stadtbefestigung geschleift. An ihrer Stelle wurden die Wallanlagen errichtet. 1824 bis 1852 lehrte Justus Liebig an der Universität Gießen. Im Revolutionsjahr 1848 kam es auch in Gießen zu Unruhen; ein Student wurde getötet. Im folgenden Jahr wurde die Stadt mit Eröffnung der Main-Weser-Bahn (Frankfurt-Kassel) an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Ab 1867 war Gießen als Garnisonsstadt ein wichtiger Militärstandort.
1879 bis 1888 lehrte Wilhelm Conrad Röntgen an der Universität Gießen. 1893 wurde die heute größte Kirche der Stadt, die evangelische Johanneskirche an der Südanlage, eingeweiht. 1907 eröffnete das Stadttheater, welches durch das städtische Bürgertum finanziert und errichtet wurde. Noch heute kann man dies am Spruch über dem Eingang des Theaters ablesen: „Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns“. Ab 1894 gab es in Gießen öffentlichen Nahverkehr, zunächst mit Pferdeomnibussen, seit 1909 mit einer elektrischen Straßenbahn.

Mit Wirkung zum 1. November 1938 wurde Gießen zur kreisfreien Stadt. Aufgrund zweier britischer Luftangriffe am 2. und (vor allem) 6. Dezember 1944 im Rahmen des in der Area Bombing Directive befohlenen Flächenbombardements deutscher Städte zur Brechung der Bevölkerungsmoral wurde nahezu der gesamte historische Stadtkern Gießens durch einen Feuersturm vernichtet; hunderte Zivilisten fanden den Tod. Die Bahnanlagen und die zahlreichen Militäreinrichtungen blieben hingegen weitgehend intakt.

In den folgenden Monaten starben viele weitere Menschen durch Tieffliegerangriffe. Am 28. März 1945 beendete der Einzug der US-amerikanischen Armee den Krieg für die zerstörte Stadt. Das Stadtgebiet war zu 67 % zerstört, die Innenstadt zu 90 %. Trotz dieser furchtbaren Zerstörungsrate hätte es für Gießen noch deutlich schlimmer kommen können. Ein nicht unerheblicher Teil der Bombenlast des zweiten Luftangriffes wurde versehentlich über dem Bergwerkswald abgeworfen, wo die Folgen noch heute deutlich zu sehen sind.

Der Wiederaufbau orientierte sich an den Lehren des „Modernen Städtebaus“: Altstadtgrundstücke wurden zu großen Einheiten zusammengefasst, Straßen- und Platzräume ausgeweitet und der öffentliche Raum weitgehend den Interessen des Autoverkehrs angepasst. 1953 wurde die letzte (zuvor aufwendig wiederaufgebaute) Linie der Gießener Straßenbahn stillgelegt; stattdessen fuhren Oberleitungsbusse (bis 1968). Die wenigen von den Bombenangriffen verschont gebliebenen Straßenzüge des Stadtkerns wurden niedergerissen, ebenso teilweise erhalten gebliebene Ruinen wie die durchaus wiederaufbaufähige Ruine des 500 Jahre alten Rathauses.
Neubauten im Stil der 1950er Jahre entstanden, unter anderem das (bereits wieder abgerissene) Behördenhochhaus am Berliner Platz, die Kongresshalle sowie das Stadthaus (gebaut 1961, abgerissen 2006). Die letzte Kriegsruine der Innenstadt war ein Hinterhaus in der Goethestraße; es wurde 2004 abgetragen. Die Ausfallstraßen, die Wallanlagen und die wichtigsten Achsen der Innenstadt wurden zu mehrspurigen Verkehrsstraßen ausgebaut. Bis 1975 entstanden rund um Gießen zahlreiche Autobahnteilstücke, darunter der Gießener Ring (teilweise Schnellstraße). Am 1. Januar 1977 entstand aus Gießen, Wetzlar und 14 Umlandgemeinden die „Stadt Lahn“ als Oberzentrum Mittelhessens. Nach nur 31 Monaten Existenz wurde die Lahnstadt am 1. August 1979 wieder aufgelöst. Gießen erhielt in diesem Zug den Stadtteil Lützellinden hinzu.

In einer Direktwahl am 7. Juni 2009 wurde Dietlind Grabe-Bolz (SPD) zur neuen Oberbürgermeisterin gewählt.

Berühmte Persönlichkeiten der Stadt waren unter anderem Justus Liebig, der Erfinder des Kunstdüngers, des Liebigextraktes und -kolbens und erster Beschreiber des Kohlenstoffkreislaufs - um ein paar Beispiele zu nennen -, nach dem die Gießener Universität benannt wurde, Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Nobelpreisträger für Physik (1901), der hier lehrte und begraben ist sowie Wilhelm Liebknecht, der in Gießen geborene Mitbegründer der SPD. Georg Büchner studierte in Gießen, gründete 1834 die „Gesellschaft für Menschenrechte“ und veröffentlichte den „Hessischen Landboten“, welchen er auf der Badenburg verfasste. Johann Wolfgang von Goethe, der sich als Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar (ca. 15 km westlich von Gießen) aufhielt, war in dieser Zeit auch mehrfach im Gasthaus „Zum Löwen“ (Neuenweg) anzutreffen. Der Psychoanalytiker und Aktivist der Friedensbewegung Horst-Eberhard Richterwar von 1962 bis 1991 Professor in Gießen. Er ist Mitbegründer der Internationalen Vereinigung der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Hans-Jochen Vogel, ehemaliger Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, nachfolgend Bundesminister für Justiz und Bürgermeister Berlins sowie sein Bruder Bernhard Vogel, ehemaliger Ministerpräsident Thüringens und Rheinland-Pfalz', absolvierten einen Teil ihrer Kindheit in Gießen und besuchten u.a. das Landgraf-Ludwig-Gymnasium. Hans-Jochen schloss dort auch sein Abitur ab. Frank-Walter Steinmeier (ehemaliger Außenminister und Vizekanzler, SPD) studierte Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete und schließlich promovierte. Seine Studientage verbrachte er mit seiner späteren Regierungskollegin Brigitte Zypries.

Til Schweiger(eig. Tilman Valentin Schweiger), Schauspieler, Regisseur und Produzent, verbrachte seine Jugend in Heuchelheim (Kreis Gießen) und absolvierte das Abitur an der Gießener Herderschule. Schweiger wurde durch den Film „Der bewegte Mann“ in Deutschland berühmt und ist mittlerweile auch international bekannt. Aus Gießen stammen folgende überregional bekannte Bands: Die Punkbands Boxhamsters (gegründet 1987) und Pestpocken (gegründet 1997) sowie die Pop/Rock-Band Juli (gegründet 2001). Letztere wurde mit den Liedern „Perfekte Welle“ und „Geile Zeit“ 2004 bekannt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: http://www.giessen.de/

 


Das Gießener Stadttheater, am Berliner Platz.

 

 



Das Mathematikum, das erste mathematische Mitmachmuseum der Welt.

 

 


Blick von einer der beiden Lahnbrücken auf die beliebten Wiesen an der Lahn.

Aktuelle Termine

       

 

         WEIHNACHTSKNEIPE

     auf dem Darmstädterhaus

am 09. Dez. 2017 um 20,00 h c.t.