Landsmannschaft Darmstadtia Gießen

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Justus-Liebig-Universität

Die Justus-Liebig-Universität wurde 1607 von Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt als „Academia Gissena“ gegründet und hieß bis 1945 nach ihrem Gründer Ludwigsuniversität oder auch Ludoviciana. Bei der Hochschulneugründung nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie den Namen ihres berühmtesten Wissenschaftlers, Justus Liebig, und heißt seit 1957 Justus-Liebig-Universität Gießen, abgekürzt JLU. Die zweitgrößte hessische Hochschule ist die älteste Universität des heutigen Bundeslandes Hessen, die kontinuierlich hessische Landeshochschule war.

 


Das Uni Hauptgebäude in der Ludwigstraße


Die Universität Gießen verdankt ihre Entstehung dem Zeitalter der Glaubenswirren um Reformation und Gegenreformation. Ludwig V. (Hessen-Darmstadt) gründete die lutherische Landesuniversität, da die benachbarte Marburger Universität (gegründet 1527) mit der Teilung des Landes Hessen 1605 calvinistisch geworden war. Die protestantischen Theologen, die die Wende zum Calvinismus nicht vollziehen wollten, wurden entlassen und begaben sich nach Gießen. Noch 1605 gründete Ludwig V. ein „Gymnasium Illustre“ mit angeschlossenem „Paedagogium“ als Überbrückung bis zur Erteilung des kaiserlichen Patents am 19. Mai 1607 durch Rudolf II. Mit dem Wintersemester 1607/1608 begann der Lehrbetrieb der Academia Gissena.

Vom 25. Mai 1625 bis zum 5. Mai 1650 zog die Universität wegen der Pest und des 30jährigen Krieges nach Marburg; zwischenzeitlich weilte sie 1633 für 12 Monate wieder in Gießen.

Von 1787 bis 1833 lehrte hier der Kameralist und Statistiker August Friedrich Wilhelm Crome, der als Rektor und Mitglied einer sogenannten Kriegskommission den Raub der Universitätsbibliothek durch die französischen Besatzer verhindern konnte. Ende des 18. Jahrhunderts litt die Universität unter den Koalitionskriegen. 1792 dienten einige Universitätsgebäude der Munitionsproduktion. 1796 verzeichnete die Lehranstalt nur noch 36 Immatrikulationen, wobei gerade einmal fünf Studenten sich wirklich in Gießen aufhielten. Damit war der Lehrbetrieb der Universität zeitweilig zum Erliegen gekommen.

Im 19. Jahrhundert arbeiteten Wissenschaftler wie Wilhelm Conrad Röntgen und Justus von Liebig an der Universität. Vor allem Letzterem ist der Zuwachs an internationaler Bedeutung in dieser Zeit zu verdanken.

Durch die Veränderungen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Zweiten Weltkrieg wurde die Universität stark verkleinert.

Im Dezember 1944 wurde während der Angriffe auf Gießen ein großer Teil der Universität zerstört. Auch das Hauptgebäude der Universität brannte aus. Der Bereich der Universitätsklinik war besonders schwer betroffen; 42 Treffer gingen in diesem Bereich nieder. Etwa 90 % der Literaturbestände wurden vernichtet. Trotz allem ging der Hochschulbetrieb am 10. Januar 1945 weiter. Der erneute Bombenangriff am 14. März 1945 traf vor allem den Veterinärmedizinischen Bereich. Mit der Besetzung durch US-amerikanische Truppen am 14. März wurde die Universität wieder geschlossen.
Am 26. Juni 1945 wurde Karl Bechert Rektor der Universität und trieb den Wiederaufbau der Universität voran. Die Kontakte zur neuen Großhessischen Regierung waren eher schlecht und der amerikanische Universitätsoffizier Hartshorne zeigte wenig Interesse am Erhalt der Universität in Gießen. Ende März 1946 wurden die Fachbereiche Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaften geschlossen und die Bestände der Bibliotheken an umliegende Universitäten vergeben. Am 13. April 1946 trat Karl Bechert zurück und Cermark wurde sein Nachfolger. Am 27. Mai 1946 wurde die „Justus-Liebig-Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin“ eröffnet. 1957 erhielt die Hochschule den Universitätsstatus zurück.

Von der JLU ausgehend begann im Herbst 1997 eine bundesweite Protestwelle: der Studentenstreik 1997, genannt „Lucky Streik“. Die mehrwöchige Blockade der Universität, bei der unter anderem das Hauptgebäude besetzt wurde, ging einher mit Demonstrationen und Protesten, die bis zum Beginn des Frühjahrs 1998 anhielten. Gründe für den Streik waren die geringe finanzielle Ausstattung der Hochschulen, überfüllte Veranstaltungen u.ä.

Am 26. April 2006 hat sich der Senat mit großer Mehrheit gegen die Einführung von Studiengebühren ausgesprochen. Entgegen diesem Votum begann die Unileitung aber bereits früh damit, die erwarteten zusätzlichen Mittel zu verplanen. Darüber hinaus hat die Universität Beschwerde gegen eine Entscheidung des Gießener Verwaltungsgerichts eingelegt, dem zufolge Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Studienbeitragsgesetzes bestehen (30. November 2007). Nach dem endgültigen Urteil vom 27. März 2008 vertritt der Hessische Staatsgerichtshof die Auffassung, Studiengebühren seien verfassungskonform. Zum 1. Juli 2008 wurden die Studiengebühren durch den Hessischen Landtag wieder abgeschafft.

Die Justus-Liebig-Universität hat seit ihrer Neustrukturierung 1999 elf Fachbereiche:

01 Rechtswissenschaft

02 Wirtschaftswissenschaften

03 Sozial- und Kulturwissenschaften

04 Geschichts- und Kulturwissenschaften

05 Sprache, Literatur und Kultur

06 Psychologie und Sportwissenschaft

07 Mathematik und Informatik, Physik, Geographie

08 Biologie und Chemie

09 Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement

10 Veterinärmedizin

11 Medizin

Die JLU etablierte eine Reihe schwerpunktbildender Zentren, in denen Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche zusammenarbeiten. Das von Odo Marquard gegründete Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft gibt es seit den 1960ern. Das Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung wurde 1998 gegründet. Das Interdisziplinäre Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung (IFZ) nahm im Jahr 2000 seine Arbeit auf. Das Zentrum für Medien und Interaktivität besteht seit 2000, das Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften seit 2001. Durch eine hessenweite Schwerpunktbildung wurde 2006 das Gießener Zentrum Östliches Europa gegründet.

Die JLU bietet als Volluniversität über 150 Studiengänge an, die fast alle modularisiert und auf gestufte Bachelor/Master-Abschlüsse umgestellt worden sind. Im Wintersemester 2009/2010 waren 24.100 Studenten an der Universität immatrikuliert. Die beliebtesten Studiengänge sind die Betriebswirtschaftslehre, die Ökotrophologie sowie die Lehramtsstudiengänge und die zulassungsbeschränkten Medizinfächer Human- und Veterinärmedizin.

Derzeitiger Präsident der JLU ist der Anglist Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. Er war an der Universität Gießen in den Jahren 2004 bis 2008 Prodekan des Fachbereiches 05 „Sprache, Literatur, Kultur“ und von 2005 bzw. 2006 bis 2008 auch gewähltes Mitglied des Senats und Sprecher der Professorenliste „Neue Universität“. Anfang 2008 wurde er mit großer Mehrheit zum Ersten Vizepräsidenten der JLU gewählt. Der erweiterte Senat der Universität wählte Mukherjee am 8. Juli 2009 im ersten Wahlgang mit 20 von 34 Stimmen zum neuen Präsidenten. Er trat am 16. Dezember 2009 sein Amt als Nachfolger des überraschend verstorbenen Stefan Hormuth an.

 

 

 

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